Das Ende der Rollläden!

Wenn Sie Hersteller oder Verkäufer von Rollläden, Jalousien oder ähnlichem sind so kann es sein dass Ihr Produkt das Ende seiner relevanten Lebenszeit erreicht hat. Wie man so etwas wissen bzw. aus gutem Grund vermuten kann? Indem man sich die Evolution technischer Systeme ansieht. Aber bleiben wir vorerst beim Beispiel.

Der herkömmliche Rollladen stellt eine rein mechanische Konstruktion dar. Selbst mit elektrischem Antrieb – der ev. nur den Bedienungsimpuls gibt – bleibt das System Rollladen auf der Ebene einfacher grobmechanisch-kausaler Zusammenhänge stehen. Der Rollladen erfüllt den Zweck das Sonnenlicht abzuschirmen bzw. zu regulieren und wird meist direkt vor Fenster oder Glasfassade plaziert. Die stufenweise Abschirmung gegen das Tageslicht kann dann nach Notwendigkeit oder persönlichen Vorlieben vom Benutzer dirigiert werden.

Genau denselben Zweck erfüllen elektroaktive Fensterflächen. Diese elektronisch molekulare Technologie ist gerade dabei zum Standard bei großflächigen Verglasungen zu werden. Das Anlegen einer elektrischen Spannung führt zur Änderung der Lichtransmission bis hin zur völligen Lichtundurchlässigkeit. Erweitert wird diese Technologie in naher Zukunft durch applizierte Nanospiegel die (nur mehr mit Impulsenergie arbeitend) nicht nur die opazität ändern, sondern auch lichtleitend (Neigungswinkel der Spiegel) wirken.

Letztlich erfüllen also beide Technologien die Aufgabe des erweiterten Sonnenschutzes – aber mit deutlichen Verbesserungen für die modernere Technologie in den Bereichen Benutzerfreundlichkeit, bautechnische Optimierung, Langlebigkeit uvm.

Den theoretischen Hintergrund für die weitere Analyse liefert uns – hier in vereinfachter Form angenommen – das TRIZ Modell (Theorie des erfinderischen Problemlösens), wonach sich technische Systeme in der Regel von rein mechanischen Strukturen über die Ebenen der Elektromechanik, der Elektronik hin zur Mikrotechnologie und eben noch weiter (Nano) entwickeln.

Hier ergibt sich der zentrale Punkt: Für den Hersteller eines mechanischen Rollladens ist die Verbesserung der Mechanik ein anzustrebendes Ziel und darüber kann er vergessen, dass die Mechanik als Prinzip für das zu erfüllende Ziel längst obsolet ist (wieder TRIZ; siehe Verweis unten). Die Evolution technischer Systeme springt – in diesem Fall ist es ein weiter Sprung – von klassischen mechanischen Systemen in die Nanostruktur und erfüllt dabei nicht nur den ursprünglichen Zweck, sondern bietet – einer Evolution angemessen – noch eine Vielzahl an Verbesserungen und Annehmlichkeiten. Das geschäftsrelevante Problem liegt nun vorwiegend darin, dass sich wohl kaum jemand in der Produktproduktion mit grundlegenden mechanischen Systemen und nanotechnologischen Beschichtungen beschäftigt (bzw. beschäftigen kann) die grundsätzlich denselben Inhalt liefern.

Der Knackpunkt dieser Betrachtung ist nun folglich der, dass bei Innovationen im technischen Bereich immer wieder Quantensprünge – also ein Wechsel zwischen evolutionär hierarchischen Ebenen – passieren können, die ein gänzlich anderes Verständnis des Produkts und vorallem dessen Produktion erfordern.

Da diese Gedankenlinie selbstverständlich nicht auf Rollläden beschränkt ist, ist es sicher nicht von Nachteil sein eigenes Produkt bzw. seine eigene Profession dahingehend zu überprüfen ob sie aufgrund der Muster in der technologischen Innovation schon bald zu einem Auslaufmodell werden könnte. Dann wäre ein technologischer Quantensprung dringend von Nöten. Die leitende Frage könnte dann lauten: „Ist die physische … aus heutiger Sicht noch gültig um den eigentlichen Inhalt bzw. die Problemlösung für den Kunden zu liefern?“

Danke an Heinz Sigl (RESI) für das inspirierende Gespräch zu obigen Thema.

Quellen und Infos:

Wikipedia: TRIZ Theorie des erfinderischen Problemlösens

Wikipedia: Rollladen

Elektroaktive (elektrochrome) Fenster: LC SmartGlass, Liquid Crystal Glass, Remote Control, Projection Screen, SwitchLite Privacy Glass™ | Home, SAGE Electrochromics, Inc. – The Power to Change

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